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Besuch Nürnberg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfram Jacobsen   
Dienstag, den 21. Januar 2014 um 06:26 Uhr
 Die 9a auf Studienfahrt nach Nürnberg am 18.12.2013

 

 

 

Vor Ablauf des alten Jahres statteten wir dem vorweihnachtlichen Nürnberg einen Besuch ab, der es in sich hatte. Gleich vier Stationen standen auf dem Programm – hoch interessant, informativ und gleichzeitig sehr kurzweilig. Der Reihe nach:

 

·        Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde
·        Reichsparteitagsgelände
·        Tutanchamun – sein Grab und seine Schätze
·        Mit der U-Bahn zum Christkindlesmarkt
 
 
1. Station:  Wir besuchten die Israelitische Kultusgemeinde in Nürnberg
 
Im Zusammenhang mit unserem Projekt „Gegen das Vergessen“ (wir berichteten) beschäftigten wir uns auch mit den Spuren, die Juden in Dinkelsbühl hinterließen. Um unseren Horizont zu erweitern, freuten wir uns nun auf die Begegnung mit Rabbi (= Lehrer / Gelehrter) German. Mit ihm waren wir in der Nürnberger Synagoge verabredet.
 
                                                      
 
Hier stellte uns Rabbi German sich, seine jüdische Gemeinde und die moderne Synagoge vor.
 

Rabbi German erzählte spannend, anschaulich und echt mitreißend von „Gott und der Welt“.
 
 
 
 
Wir erfuhren von Rabbi German alles Wissenswerte über eine „Thora“, der Heiligen Schrift.
 
Gleich zu Beginn unserer Studienfahrt war die Begegnung mit Rabbi German gleich ein echtes Highlight. Wie tief beeindruckt wir davon waren, zeigt auch unser Offener Brief an den Rabbi der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg:
 

Hans-von-Raumer-Mittelschule Dinkelsbühl                           Im. Januar 2014

Klasse 9a

 

Offener Brief

 

An

Rabbiner German Djanatliev

Israelitische Kultusgemeinde

Nürnberg

 

 

Sehr geehrter Herr Rabbiner German!

           

Wir freuen uns sehr, im Rahmen unserer Studienfahrt am 18.12.2013 in Nürnberg die Bekanntschaft mit Ihnen gemacht zu haben. Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben.

            Die zwei Stunden in der Synagoge mit Ihnen vergingen wie im Flug. Sie haben uns sehr viel über das jüdische Leben und den jüdischen Glauben gezeigt und erzählt. Wir haben sehr viel gelernt. Es hat Spaß gemacht, in der Synagoge zu hocken und Ihnen zuzuhören.

            Es ist wirklich toll zu sehen, was für ein stolzer Jude Sie sind und dass Sie uns diesen Stolz so voller Freude und ohne Angeberei gezeigt haben. Es begeistert uns sehr zu sehen, wie viel Ihnen am Nächsten liegt. Jeder ist wie ein Buch und hat seine eigene Geschichte und Sie haben uns einen Teil Ihrer Geschichte und der der anderen Juden in Ihrer Gemeinde erzählt.

            Sie haben uns so gut unterhalten. Aber was heißt hier schon „unterhalten“?! Sie haben mit uns offen und konzentriert, sehr intensiv gesprochen und haben so auf unsere Fragen geantwortet, dass wir alles gut verstanden haben. Und was Sie alles wussten?! Sie sind wirklich ein Gelehrter! Es war spannend, Ihnen zuzuhören.

            Uns hat gewundert, dass Sie das Wort „Jude“ nicht gestört hat, obwohl es früher ein so schlimmes Wort war. Im Gegenteil: Wir sind begeistert von Ihrer Überzeugung, was Ihre Religion und Nationalität angeht. Man sieht und spürt, wie Sie mit Herz und Blut dazu stehen.

            Früher dachten wir, wie die Juden so ganz anders leben als wir Christen. Heute wissen wir, dass das so gar nicht stimmt. Sie leben heute z.B. in Nürnberg sozusagen ganz „normal“ wie wir Christen auch. Jugendliche gehen ins Gymnasium, Realschule oder Mittelschule, gehen in Vereine und besuchen ihren Religionsunterricht eben extra bei Ihnen. Manche gehen in die Synagoge zum Gottesdienst und so weiter.

            Jeden hat es erstaunt, mal eine richtige Thora-Rolle in der Hand zu halten. Jetzt wissen wir auch, wozu der Zeigestab beim Lesen der Thora notwendig ist. Dass Männer und Frauen während der Feiern in der Synagoge getrennt sitzen sollen, wussten wir vorher nicht. Nun aber wissen wir, wozu das gut ist.

            Sie haben so viele interessante Geschichten und Episoden erzählt. Besonders die von der alten Frau hat uns sehr bewegt. Und natürlich die Story von Herrn Hamburger! Auch Ihre vielen Beispiele zum Thema „Himmel und Hölle“ waren uns neu und sehr einleuchtend. Sie suchen ihresgleichen.

            Es war für uns Jungs am Anfang schon ungewohnt, eine Kippa zu tragen. Aber dann haben wir sie ganz vergessen, so leicht ist sie, bzw. so sehr haben uns Ihre Ausführungen interessiert, dass wir die Kippas erst beim Abschied am Ausgang wieder bemerkten und zurück gaben.

            Die Herzlichkeit, Freundlichkeit und Begeisterung, mit der Sie uns bei sich aufgenommen haben, hat uns das Herz erwärmt. Wir fühlten uns bei Ihnen sehr wohl, manch- mal fast sogar wie „daheim“. Dazu gehören auch Ihre vielen guten Glückwünsche, die Sie uns  bei der Verabschiedung noch mit auf den Weg gegeben haben.

Nun wollen wir uns von Ihnen verabschieden:

So wie Sie uns respektieren, so respektieren wir Sie und schätzen Sie sehr.

Bleiben Sie Ihrem Glauben treu!

Wenn wir wieder mal in Nürnberg sind, würden wir gerne mal wieder bei Ihnen vorbei schauen, - vielleicht auch um mit Ihnen in der Synagoge Sabbat-Gottesdienst zu feiern.

Gerne würden wir Ihre anderen 100 jüdischen Schüler in Nürnberg kennenlernen.

Über ein weiteres Treffen mit Ihnen persönlich und Ihrer Jugend bei uns in Dinkelsbühl

(vielleicht zur Kinderzeche?)  oder bei Ihnen in Nürnberg würden wir uns sehr freuen.

Bleiben Sie gesund! Ihnen, Ihrer Familie und Ihrer Gemeinde ein frohes neues Jahr

und Alles, Alles Gute!

 

Liebe Grüße aus Dinkelsbühl

von den Schülern der Klasse 9a und ihrem Lehrer Wolfram Jacobsen.

  
2. Station:  Unsere Rundfahrt sowie unser Rundgang über das
Reichsparteitagsgelände
 
Wer Näheres über die Hintergründe des Reichsparteitagsgeländes erfahren will, kann sich bei einer kleinen Ausstellung im Gang vor unserem Klassenzimmer erkundigen. An dieser Stelle nur ein paar Impressionen: Mit einem gewissen Schaudern konnten wir uns vor Ort überzeugen, welche größenwahnsinnigen Ziele die Nazis im Dritten Reich unter Hitler verfolgten. Die Dimensionen sind schon beeindruckend und auch ein wenig schockierend…
 


Die jungen „9a-Studenten“ vor der Kongresshalle: riesig und doch ein „Mini-NS-Puzzle-Teil“
 
 
  
 
An der „Großen Straße“, die damals zu Aufmärschen diente -  heute: ein riesiger Parkplatz!
 
 
 
Auf dem Zeppelinfeld: wo früher auch der „Führer“ stand – heute: mit Blick auf den „Club“!
 

 

 
3. Station:  Besuch der Ausstellung „Tutanchamun – sein Grab und
                   seine Schätze“
 
Diese Gelegenheit mussten wir einfach beim Schopf packen, auch wenn „King TUT“ nicht gerade auf dem Geschichtslehrplan der 9.Klasse steht. Die Wanderausstellung über ihn und seine Schätze ist derzeit auf Welt-Tournee. Noch ist sie in Fürth zu bewundern, bevor sie dann weiter nach New York reist. – Wir hatten das Glück, von einer echten Ägyptologin in die Geheimnisse einer wahrlich goldenen Kultur eingeführt zu werden.
 

 

 
Herr Jacobsen und Nick Jahnke zeigen im Tal der Könige den Fundort der Königs-Gräber.
 

 

 
Wir bestaunen die goldene Mumie von Tutanchamun (eine von mehreren) -  ein Goldschatz!
 
                                                        
 
„King TUT“ – wir haben die Ehre bzw. er gibt uns die Ehre … - ein großer Mann von Welt!
 
 
 
4. Station:   Mit der U-Bahn zum Christkindlesmarkt
 
Last but not least – mussten auch noch ein paar Weihnachtsgeschenke besorgt werden. So ganz nebenbei liefen wir vordergründig zwar über den berühmtesten Weihnachtsmarkt der Welt. Wir wussten aber, dass wir uns dabei auf historischem Boden bewegten: An der Stelle, wo heute der Hauptmarkt ist, befand sich früher das jüdische Viertel mit der alten Synagoge (heute: Frauenkirche). Und damit schloss sich für uns der Kreis.
 
 
Dieser Studientag 18.12.2013 hat uns alle – Schüler wie Lehrer – vielfältig bereichert!
 
                                                                                                                      Wolfram Jacobsen
 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Januar 2014 um 15:09 Uhr