Start Klassen Klassenstufe 9 Zeitzeugen des DDR-Regimes
Zeitzeugen des DDR-Regimes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 10. März 2017 um 08:05 Uhr
Zeitzeugen des DDR-Regimes in der 9a/b
Am 25.01.17 trafen sich die Schüler der 9. Klassen im Mehrzweckraum mit Familie Gogolin und Herrn Piper, um aus erster Hand zu erfahren, was es bedeutete, im Osten Deutschlands zu leben. Es wurde sehr deutlich, dass das Erleben individuell sehr unterschiedlich war – letztlich abhängig von der politischen Gesinnung der Eltern.                                                                                                                 
Während Herr Piper auf eine recht normale Kinder- und Jugendzeit zurückblicken konnte, in der er wie die meisten Kinder in der DDR die Jugendorganisationen durchlief und seinen Wehrdienst ableistete, erzählten Herr und Frau Gogolin sehr eindrücklich von Erlebnissen mit der Überwachungsorganisation STASI, die die Menschen verdeckt oder auch ganz offen ausspionierte oder unter Druck setzte, die sich den Vorgaben des Staates offen widersetzten oder sich auch nur kritisch äußerten. Das Schlimmste war, dass man nie sicher sein konnte, wer als IM (informeller Mitarbeiter) der Staatsicherheitsbehörde Informationen als Spitzel zukommen ließ. Das konnte jeder sein: Arbeitskollegen, Freunde und sogar Familienmitglieder. Sehr belastend für Familie Gogolin war es, bei Durchsicht ihrer Stasiakten vor wenigen Jahren zu sehen, wer damals aus dem Freundes- bzw. Kollegenkreis Informationen weitergegeben hatte. Wir konnten einige Originaldokumente bestaunen, die Herr Gogolin aus seiner Stasiakte mitgebracht hatte.

 

Warum wurde diese Familie als staatsfeindlich angesehen und entsprechend behandelt?
Annette Gogolins Vater wollte seinen großen Bauernhof nicht – wie vom Staat vorgegeben – einer LPG (landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaft) anschließen, wodurch dieser in Staatseigentum übergegangen wäre. Seine Weigerung brachte ihn viermal in Haft, wobei ihn die Stasibeamten jeweils ohne Vorankündigung nachts aus dem Haus holten und niemand aus der Familie wusste in welches Gefängnis er gebracht wurde. Vom letzten Haftaufenthalt kehrte er nicht zurück, da die Bundesrepublik ihn freikaufte. Von seiner Frau wurde dann verlangt, sich scheiden zu lassen, sonst wäre sie auch Staatsfeindin. Das hat sie nicht gemacht, sondern ist später auch ausgereist. Noch andere schlimme Vorkommnisse berichte Frau Gogolin, der man ansah, dass sie dabei immer noch mit den Tränen kämpfen musste. Das war sehr beeindruckend und deshalb haben wir uns mit einem Brief herzlich bei Ihnen bedankt.
Uns ist jetzt viel bewusster, welches Glück es ist, in einem freien demokratischen Land leben zu dürfen. Das war viel besser als Geschichte aus dem Lehrbuch.
Uta Koch und die Schüler der 9a/b